1. Chamonix

Liebe Blogleser,

dieses Jahr stand ganz im Zeichen meines ersten Ironmans in Frankfurt. Wirklich Urlaub hatte ich nicht, bis auf eine Woche Anfang Mai. Die ging jedoch komplett für das Radtraining in heimatlichen Gefilden drauf. Ansonsten hatte ich noch eine weitere Woche nach dem Wettkampf. Diese nutzte ich jedoch nur zur Regeneration. Der Kreislauf war einfach total angeschlagen und zu mehr hätte ich nicht getaugt 😉
Ich spielte ab und zu mit dem Gedanken, meinen Urlaub in Spanien zu verbringen. Und zwar per Rad auf dem Jakobsweg, nachdem ich einige tolle Reiseberichte im Internet gelesen habe. Das verwarf ich dann jedoch ziemlich schnell, denn mir kam etwas anderes in den Sinn. Als kleiner Stöpsel saß ich wie gebannt vor dem Fernseher und verfolgte die Duelle meines Idols Jan Ullrich gegen den (leider) übermächtigen Lance Armstrong auf den Bergetappen der Tour in den Alpen.
Das wollte ich unbedingt auch irgendwann mal machen, die legendären Anstiege der Tour de France bezwingen!

Mein erster Etappenstopp sollte jedoch Chamonix sein. Und zwar, weil ich als Alpenliebhaber gerne einmal den Mont Blanc aus der Nähe sehen wollte. Mensch, das muss doch der totale Wahnsinn sein, den über 4800 Meter hohen Riesen von der Aiguille du Midi genau vor der Linse zu haben!
Gesagt getan, lud ich alles für meinen Aktivurlaub ins Auto: Rennrad, Mountainbike, Lauf- und Schwimmzeug und fuhr Richtung Schaffhausen in der Schweiz. Weiter führte die Fahrt in den französischsprachigen Teil am Genfer See vorbei. Und von dort war es nur noch ein Katzensprung nach Martigny, hinter dem die Grenze Schweiz-Frankreich verläuft.

Am Zielort angekommen suchte ich mir eine Unterkunft in der Jugendherberge, die ich auch ziemlich schnell fand.
Anschließend schnappte ich das Mountainbike und erkundete die Gegend und den Ort. Der war stark von Touris belagert. Besonders witzig war eine Situation, die ich im Zentrum erlebte. Ich bat einen Asiaten, ein Foto von mir vor der Statue von Horace-Benedict de Saussure und Jaques Balmat zu machen. Gesagt, getan… Ich wollte eben zur Seite gehen, damit eine Gruppe von asiatischen Mädels wiederum ihr Foto schiessen konnten. “Come to us” hörte ich da plötzlich. Jetzt sollte ich mit denen doch tatsächlich auf’s Foto. Diese Bitte konnte und wollte ich ihnen dann nicht abschlagen, es war einfach total witzig 😀
Später aß ich im Ort noch lecker zu Abend, bevor ich nochmals das Tourismusbüro aufsuchte- da gab’s kostenlos WLAN.

Geschlafen habe ich ganz gut. Zumindest bis nachts lautstark die Tür öffnete und sich zu Louis und mir noch zwei weitere Übernachtungsgäste gesellten. Die machten einen höllischen Lärm und irgendwann ging dann glücklicherweise das Licht doch noch aus.
Pünktlich um 8 Uhr am nächsten Morgen klingelte mein Wecker. Erstmal ordentlich gefrühstückt und für mein Highlight in Chamonix fertig gemacht: Der Fahrt auf die Aiguille du Midi! Im Tal unten war es verhältnismässig warm, doch die warmen Klamotten für den Berg waren Pflicht. Per Bus, der genau vor der Jugendherberge losfuhr,  ging es dann direkt zur Talstation der Seilbahn. Der Andrang hielt sich zum Glück in Grenzen und ich kam schnell an mein Ticket. Die Gondel fuhr auch schnell ein und in einem Affenzahn ging es zur Plan de l’Aiguille, der Mittelstation. Hier waren bereits viele Wanderer versammelt. Doch mein Ziel lag noch knapp 1500 Meter höher. Dieser Abschnitt bis zum Gipfel wird ohne zusätzliche Stützen überwunden. Das bedeutet, das Seil hängt der Gondelkomplett frei. Da kann einem schon etwas mulmig werden 😉 Links und rechts von mir aus dem Fenster nichts als Felsen Schnee sowie ein paar Bergsteigern, die sich den Weg nach oben kämpften.
Auf der Aiguille du Midi angekommen, besuchte ich erstmal die untere Aussichtsplattform und genoss den tollen Ausblick auf Chamonix und die umliegenden Berge. Anschließend gelangte ich über eine Brücke, die in den Fels führte, per Aufzug auf die obere Aussichtsplattform. Das war der absolute Wahnsinn! Man gelangt ins Freie und der Mont Blanc liegt genau im Blickfeld, flankiert und umgeben von weiteren hohen Gipfeln. Unter mir das Vallée Blanche, von dem Tourengeher aufstiegen und Drachenflieger starteten.
Ich verbrachte viel Zeit hier oben und genoss den tollen Ausblick in vollen Zügen. Sehr spaßig waren drei Chinesen, die in T-Shirts und kurzen Hosen da oben rumliefen- und das bei 2 bis 3 °C!

Bei der Fahrt ins Tal machte ich noch kurz einen Zwischenstopp auf der Mittelstation, bevor es weiter nach unten ging. Teilweise war das Gekreische meiner Mitfahrer in der Gondel laut und lustig. Sobald die Gondel eine Stütze überfuhr und hin und her schwankte 🙂
In Chamonix vertrat ich mir noch etwas die Beine und besorgte Postkarten, die ich in der Unterkunft schrieb. Danach hatte ich einen regelrechten Schreibkrampf bei knapp 20 Stück.
Mittags schnappte ich nochmals das Mountainbike und fuhr eine ausgeschilderte Mountainbikestrecke ab, bevor dann der Magen nach Essen schrie.
Abends hatte ich nette Unterhaltung über Gott und die Welt mit meinem Mitbewohner Louis aus Biarritz. Die Taschen waren mittlerweile auch gepackt, denn am nächsten Tag sollte es dann Richtung Col de l’Iseran gehen!

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