2. Col de l’Iséran

2 Tage Chamonix liegen hinter mir, und damit auch der große Trubel inmitten der vielen Touristen. Mit vollbepacktem Auto ging es dem Col de l’Iséran entgegen. Unter dem Mont Blanc hindurch durch den Tunnel (der Preis dafür war etwas happig, aber ich habe ordentlich Zeit gespart) nach Courmayeur auf italienischer Seite. Nach Umleitung und einigen Baustellen über den Kleinen St. Bernhardt, wo ich Bekanntschaft mit einem netten Paar aus dem Sauerland machte, wieder in Richtung Frankreich. Nachdem ich mein Quartier schnell fand wollte ich die verbleibende Zeit nutzen, um den Iséran-Pass auf meiner imaginären Liste abzuhaken.
Der Aufstieg zum Iseran beginnt so richtig kurz nach Val d’Isere. Ich fuhr das langgezogene Tal hinauf, wo ständig Markierungen am Straßenrand über Distanz und Höhendifferenz bis zur Passhöhe, sowie die aktuelle Durchschnittssteigung informieren.
Über die Pont St. Charles, die hier den Flusslauf überquert, ging es dann ans Eingemachte. Die ersten Serpentinen folgten und mit ihnen ein noch schönerer Ausblick auf das Tal und die umliegenden kargen Gipfel. Meine Armlinge streife ich dann auch bald hinunter, denn der Schweiss rann in Strömen. Bis zur Skistation auf nicht ganz halber Höhe, war es nicht mehr weit. Hier stiegen einige vom Rad und liessen sich wohl den Kuchen schmecken. Mein Ziel lag jedoch noch ein wenig höher. Und je mehr ich mich ihm näherte, desto kurviger und kälter wurde es. Viele Motorradfahrer überholten mich und kamen mir entgegen. Kurz vor der Passhöhe flog ein Helikopter Beton vom Straßenrand hinüber zur Bergstation der Gondel, ein sehr beeindruckendes Schauspiel. Hier traf ich einen Holländer, das Rad vollbepackt mit Taschen. Er wolle in Richtung Côte d’Azur, wie er mir verriet. Ich wünschte ihm eine gute Reise, feuerte ihn nochmals an und fuhr mein Tempo weiter. Mittlerweile begann es zu nieseln und der Himmel wurde immer grauer. Jetzt waren es noch 1 bis 2 km bis zum Ziel. Aus dem Nieseln wurde dann stärkerer Regen, ich war nass bis auf die Socken. Nicht mehr groß stehenbleiben, einfach weitertreten und die Jacke auf dem Gipfel anziehen. Die Fahrt zum Gipfel lief insgesamt sehr flüssig.
Auf der Passhöhe angekommen standen schon einige andere Radfahrer und Motorradfahrer, die entweder auch Fotos schossen oder Schutz vor dem Regen suchten. Ich bat einen Franzosen, ein Foto von mir vor dem Passschild zu schiessen, knipste noch kurz selbst in der Gegend herum. Dann war es Zeit, in Richtung Tal aufzubrechen. Zitternd und vorsichtig nahm ich die Serpentinen ins Tal, auch um keinen Sturz auf der nassen Fahrbahn zu riskieren.
Im Hotel angekommen, verstaute ich das Rad gleich wieder im Auto, gönnte mir eine Dusche und schaute mich anschließend etwas in Val d’Isere um. Der ganze Ort wie ausgestorben, ein reiner Wintersportort. Eine handvoll Restaurants hatten zum Glück offen. Ich suchte mir eines aus, in dem etwas leckeres aus der Region angeboten wurde. Hier gesellte sich dann ein Schweizer Radfahrer zu mir, der von seiner Frau den Trip vom Bodensee bis in die Provence zum Geburtstag geschenkt bekam. Während wir plauderten, parkten neben dem Restaurant zwei Autos mit Böblinger Kennzeichen. Die Insassen murmelten auch etwas mit “etwas zum Essen suchen”.
Ich glaube nicht, dass sie auf dem eingeschlagenen Weg in den Ort zu ihrer Nahrungsaufnahme kamen, denn dort fand ich selbst nichts vor 😉 Auf der Terasse wurde es dann mit einbrechender Dunkelheit kälter. Ich verabschiedete mich von meinem Gesprächspartner vom Bodensee und trat den Rückweg ins Hotel an. Geschlafen habe ich sehr gut und die Klamotten trockneten zum Glück auch bis zum nächsten Morgen.